https://wohnparc.de/app/uploads/2019/08/Einrichten.jpg

Das 1x1 des Einrichtens

Es gibt Einrichtungs-Genies, die ein unfehlbares Gespür für Farben, Formen, Flächen und Licht haben. Es liegt ihnen einfach im Blut. Die brauchen natürlich keine Tipps und keine Regeln. Die meisten von uns aber wurden nicht mit einem siebten Designer-Sinn geboren. Und genau dann ist dieser Beitrag hilfreich: Wir geben Tipps dazu, wie Sie Ihr Zuhause richtig gestalten, welche Fehler Sie vermeiden sollten, und welche Einrichtungsregeln inzwischen überholt sind. Auf diese Weise wissen Sie besser, wonach Sie suchen und was Sie brauchen. Und Sie vermeiden ärgerliche Fehlkäufe.

Einrichten ist ein bisschen Wissenschaft und ein bisschen Kunst. Nehmen Sie sich auf jeden Fall Zeit! (Fotos: Europa Möbel-Verbund)

Richtig planen und aussuchen

1. Ihre Bedürfnisse festlegen

Ausgangspunkt aller Einrichtungspläne sollte sein, was Sie selbst tatsächlich brauchen und wünschen. Manch einer lässt sich von Katalogen und Magazinen beeinflussen. Was die zeigen mag zwar schön aussehen, wird Sie aber nicht unbedingt auf lange Sicht zufriedenstellen. Denn: Sie werden sich in Ihrem Zuhause nur dann wohlfühlen, wenn die Möbel und die generelle Einrichtung perfekt zu Ihnen passen. 

Was meint das? Wenn Sie eine Familie mit Kindern haben und gern Besuch empfangen, dann werden Sie sich beispielsweise einen anderen Esstisch anschaffen als wenn Sie für einen Single-Haushalt planen. Sitzen Sie abends gern mit einem Buch und einer Zeitschrift und lesen, dann sind ein Sessel und eine passende Lampe wichtiger als das Sofa. Lieben Sie es Filme und Serien zu schauen, dann wird das Gästezimmer eher zum Heimkino.

Machen Sie sich deshalb als erstes Gedanken dazu, welche Möbel Sie gerne und häufig nutzen, wie Sie Ihren Tag verbringen und was Ihnen bislang gefehlt hat. 

Das ist die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen und Ideen!

2. Aussortieren und neu überlegen

Oftmals werden Sie bereits Möbel und andere Einrichtungsgegenstände haben. Und nicht erst seit Marie Kondo sollten Sie sich immer mal wieder fragen: Was davon brauche ich wirklich? Was davon bereitet mir Freude? Was behalte ich hingegen nur, weil ich mich schlecht von Dingen trennen kann?

Zugleich ist es natürlich vollkommen okay, Dinge zu behalten. Sie wollen schließlich nicht ins andere Extrem verfallen und in einem weitgehend leeren Zuhause leben (außer natürlich, genau das ist Ihr Traum – dann nur zu!). Manche Stücke mögen Sie eben einfach, weil Sie praktisch sind oder schön. Trotzdem gilt: Es tut auch gut, einmal etwas auszusortieren, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben.

Tipp: Sie können Dinge für einen guten Zweck weggeben oder an jemanden aus Ihrem Freundes-, Bekannten- oder Familienkreis abgeben. Dann haben Sie zumindest das Gefühl, es nicht einfach weggeworfen zu haben.

3. Mit Grundriss planen

Nach den ersten beiden Schritten haben Sie schon einen ganz guten Überblick: Dinge, die Sie gern behalten möchten, Dinge die Sie noch brauchen und Dinge, auf die Sie künftig verzichten wollen.

Damit die Neuplanung gut funktioniert, hat sich ein Grundriss bewährt, indem Sie Ihre Möbel aufstellen – ob nun bereits vorhanden oder noch gewünscht. Das geht einfach auf Papier. Sie werden auch Software für diesen Zweck finden. Achten Sie nur darauf, dass es maßstabsgerecht ist, denn ansonsten hilft es Ihnen nicht viel.

Auf diese Weise bekommen Sie dann ein besseres Gefühl dafür, wie groß die einzelnen Möbel eigentlich sein dürfen und wo sie am besten im Raum platziert werden können. So sollten Sie beispielsweise häufig genutzte Wege freihalten. Bedenken Sie auch die Sonneneinstrahlung und andere Faktoren, um das Sofa aufzustellen. Und dabei muss die Couch übrigens auch nicht an der Wand stehen! Mehr dazu weiter unten.

Denken Sie hier auch schon an die Beleuchtung. Wo brauchen Sie jederzeit gutes Licht zum Beispiel zum Lesen? Wo fällt Tageslicht in den Raum? Welche Punkte möchten Sie betonen?

Bonustipp zu Accessoires und Deko-Artikeln: Eine ungerade Anzahl sieht harmonischer aus als eine gerade Anzahl. (Fotos: Europa Möbel-Verbund)

4. Den eigenen Stil finden

Im nächsten Schritt geht es daran, Ihren ganz persönlichen Einrichtungsstil zu finden. Mögen Sie natürliche Materialien oder finden Sie einen industriellen Look besonders gut? Soll es verschnörkelt sein oder schlicht? Wollen Sie verschiedene Stile mixen? Auch Farben, Formen und Materialien spielen hier eine wichtige Rolle.

Vielleicht machen Sie es wie die Profis und erstellen ein Moodboard: Dafür schauen Sie in Magazinen, Katalogen und Ratgeber-Büchern, was Sie anspricht – ob das nun ein einzelner Gegenstand ist oder ein kompletter Raum. Sammeln Sie außerdem Farben, Stoffmuster, Tapetenstücke und andere Materialien. Das alles verarbeiten Sie zu einer Collage. Eine Seite wie Pinterest eignet sich ergänzend dazu, um online Anregungen zu finden und zu sammeln. Manche nutzen Evernote dafür.

Und, ganz wichtig: Lassen Sie sich Zeit damit! Sie wollen hier schließlich Entscheidungen treffen, die Ihnen möglichst lange gut gefallen. 

Als Bonus-Tipp: Es wird oftmals empfohlen, bei den grundlegenden Möbeln wie Sofa, Sessel oder Regal auf zeitlose Designs zu setzen. Modischer kann es bei den Accessoires zugehen, denn die lassen sich viel leichter austauschen.

5. Mit Accessoires gestalten

Während Möbel wie die Couch oder Schränke die Pflicht sind, sind Dekorationen und Accessoires die Kür. Und sie machen oft den entscheidenden Unterschied. Vasen, Bilder oder auch Kerzenhalter geben Ihrem Zuhause die persönliche Note. Auch Kissen, Decken und Teppiche gehören dazu.

Tipp: Anstatt Ihre Deko-Elemente überall im Raum zu verteilen, richten Sie „Deko-Inseln“ ein. Das kann auf einem Sideboard sein oder rund um die Couch. Wählen Sie hier Accessoires, die in Farbe, Material oder Thema zusammenpassen. Es ist oftmals eine gute Idee auf ein oder zwei Akzentfarben zu setzen und die an verschiedenen Stellen im Raum zu wiederholen. Mischen Sie dabei sehr gern antike oder gebrauchte Gegenstände mit brandneuen.

Hier einmal einige Beispiele dafür, wie Sie typische Fehler vermeiden: Wagen Sie sich etwas im Flur, suchen Sie nicht „zu passende“ Möbel aus, seien Sie mutig bei den Farben, denken Sie an ausreichend Beleuchtung. (Fotos: Europa Möbel-Verbund)

7 typische Fehler

  1. Alles an der Wand platzieren. In manchen Wohnzimmern sieht es so aus, als würden dort regelmäßig Tanzveranstaltungen stattfinden: Alles reiht sich brav an der Wand und in der Mitte findet sich eine weit offene Fläche. Experimentieren Sie einmal damit, den Esstisch oder die Couch im Zimmer zu platzieren. Nutzen Sie ein Regal als Raumteiler. Stellen Sie zumindest den Sessel ein wenig in den Weg. Sie werden überrascht sein, wie gut das aussehen kann. In einem eigenen Artikel erklären wir Ihnen, wie Sie das mit dem Sofa umsetzen können und warum das eine gute Idee sein kann.
  2. Zu wenig Licht einplanen. Gerade bei der Beleuchtung sollte man nicht zu sparsam sein. Nur eine einzige Deckenleuchte mag praktisch sein, aber gemütlich geht anders. Setzen Sie lieber auf eine Mischung aus Tisch-, Wand-, Decken- und Stehleuchten. Nutzen Sie sowohl direktes als auch indirektes Licht. Lesen Sie dazu auch bei Luminarte: 5 Tipps für eine gute Beleuchtung im Wohnzimmer…
  3. Alles perfekt passend aussuchen. Es ist das Einrichtungs-Paradoxon: Kauft man alle Möbel „passend“, sieht es am Ende aus wie in einem Hotelzimmer. Das mag zwar praktisch sein, aber persönlich und individuell ist es überhaupt nicht. Stilbrüche dürfen sein und sollen sogar sein. Natürlich nicht laufend, aber der eine oder andere „unpassende“ Gegenstand, das eine oder andere „falsche“ Möbelstück ist erst das Salz in der Suppe!
  4. Es mit dem Einrichten übertreiben. Wer erst einmal Spaß daran gefunden hat, die passenden Accessoires auszusuchen, kann vielleicht gar nicht mehr damit aufhören. Und ein paar Monate später findet man vor lauter Kissen keinen Platz mehr auf dem Sofa… Tipp: Zeigen Sie nur einen Teil Ihrer Deko und verstauen Sie den Rest andernorts. So können Sie den Eindruck der Zimmer auch immer mal wieder ganz nach Belieben ändern. Und vielleicht stellen Sie dann auch fest, dass manches Accessoire doch gar nicht so häufig ans Licht geholt wird.
  5. Teppiche zu klein aussuchen. Wer beispielsweise für den Esstisch einen Teppich aussucht, der sollte ihn so wählen, dass auch die abgerückten Stühle noch darauf passen. Oftmals wird der Teppich nur passend zum Tisch ausgewählt – was dann regelmäßig zu klein ausfällt und im Alltag unpraktisch ist.
  6. Wandschmuck zu sparsam platzieren. In einem eigenen Artikel geben wir Ihnen Tipps, wie Sie Fotos, Poster und Gemälde perfekt an der Wand platzieren.
  7. Den Flur vernachlässigen. In vielen Wohnungen oder Häusern ist man zuerst im Flur, aber der wird oftmals nicht so leidenschaftlich eingerichtet und aufgeräumt wie der Rest des Zuhauses. Das ist schade, denn hier bekommt man schließlich den ersten Eindruck. Tipp: Gerade weil Sie sich in diesem Raum nicht für längere Zeit aufhalten, können Sie sich hier in Sachen Stil viel selbstbewusster austoben! Die aufregende Wandfarbe, die fürs Wohnzimmer zu intensiv wäre, kann diesem Raum genau den richtigen Touch geben. Sorgen Sie zugleich für Ordnung mit passenden Schränken, Körben und Haken.
Mischen Sie keine Holzarten, kaufen Sie keine großflächigen Möbel in starken Farben usw. usf. Das mögen gute Tipps und Regeln für übervorsichtige Menschen sein. Wenn Sie dagegen verstoßen, fällt Ihnen aber auch nicht sofort der Himmel auf den Kopf – versprochen. (Fotos: Europa Möbel-Verbund)

Überholte Einrichtungstipps

Jetzt haben wir sehr viel über Regeln gesprochen und Tipps gegeben. Dabei wollen wir Ihnen aber auch nicht verschweigen: Manchmal sollten Sie das alles auch einfach in den Wind schlagen. Sie wollen mit Ihrem Zuhause schließlich keinen Einrichtungspreis gewinnen, sondern sich darin pudelwohl fühlen.

Darüber hinaus gibt es einige Tipps, die Sie getrost ignorieren können:

  • „In einen kleinen Raum passen nur kleine Möbel.“ Das stimmt nur, wenn Sie möglichst viele Möbel unterbringen wollen. Ansonsten können Sie auch eine große Couch in einem kleinen Zimmer unterbringen und das kann ganz wunderbar aussehen – wenn Sie sich dafür im Rest des Raumes beschränken. Stichwort: Statement-Möbel. 
  • „Eine Zimmerdecke sollte weiß sein.“ Ja, eine helle Decke lässt den Raum optisch höher wirken und das kann eine gute Sache sein. Eine dunkle Decke aber gefällt Ihnen vielleicht besser, weil sie mehr Gemütlichkeit ausstrahlt – Sie sitzen schließlich zu Hause und nicht im Büro.
  • „Große Möbel nur in neutralen Farben anschaffen.“ Natürlich sind graue Sofa beliebt und das aus guten Gründen. Aber lassen Sie sich nichts einreden: Wenn sie die knallorangene Couch lieben, dann wagen Sie es doch! Genau das kann Ihrem Zuhause den persönlichen Anstrich geben.
  • „Sie brauchen immer eine Deckenleuchte.“ Wie weiter oben schon erwähnt: Zu häufig wird nur eine zentrale Lampe gekauft, die dann alles leisten soll. Dabei könnten Sie sogar ganz darauf verzichten und lieber mehrere kleine Lampen und Strahler anschaffen, die Sie dann für verschiedenste Lichtstimmungen und Anlässe passend schalten können. Im Smart Home geht das sogar auf Zuruf. Anders ausgedrückt: Flutlicht ist im Stadion toll, im Wohnzimmer eher weniger.
  • „Mehr als eine Metallart darf nicht sein.“ Die Zeiten der Style-Monokultur sind nun wirklich vorbei, auch bei Metallen. Ein Tipp dazu: Es sollte trotzdem nicht eine Sorte Überhand nehmen, denn dann wirken die anderen Metalle tatsächlich wie Störfaktoren. Ein bunter, ausgeglichener Mix kann hingegen ganz großartig funktionieren.
  • „Alle Hölzer müssen zusammenpassen.“ Das ist im Grunde eine Variante der Metall-Regel von oben: Angeblich soll man darauf achten, dass Möbel, Dekoration und Boden alle aus demselben Holz gemacht sind. Wie langweilig! Der Trick ist es, höchstens drei bis vier Holzarten miteinander zu kombinieren. Und es klappt am besten, wenn Sie helle und dunkle Hölzer wählen, anstatt solche mit sehr ähnlichem Farbton. Dann erzielen Sie damit sehr spannende Kontraste.

Schlusswort

Wie Sie sehen: Es gibt Grundregeln und Tipps mit denen Ihnen Ihre Einrichtung gut gelingen wird. Und es gibt einige überholte Ratschläge, die Sie getrost ignorieren können. Und gleichzeitig gilt bei alldem, was wir am Anfang bereits betont haben: Es ist Ihr Zuhause und das sollten Sie nach Ihren Wünschen, Bedürfnissen und Regeln einrichten.