Industrial Design: Fabrik-Chic für daheim

Industrial Design: Fabrik-Chic für daheim

Das Industriedesign feiert das Unperfekte, Unfertige und Benutzte – für einen Wohnraumstil, der gleichzeitig kühl und komfortabel ist. Wir haben uns das Industrial Design als Einrichtungsidee einmal genauer angeschaut.

Die Herkunft: Verlassene Werkstätten, Fabriken und Industrieanlagen

Wirtschaftskrisen zwangen Fabrikbesitzer, Standorte aufzugeben. Leerstehende Fabrikhallen wurden schon in den 70ern und 80ern in den USA von Künstlern zu alternativen Ateliers umgebaut. Später entstanden die umwerfenden Loft-Wohnungen, die unseren Blick auf den Industrie-Chic prägten.

Mittlerweile lassen sich verschiedene Ausprägungen und Strömungen identifizieren:

Loft-Industrial Design:

  • ideal bei großen, weitläufigen Räumen in offener Gestaltung
  • breite Sitzlandschaften und große Esstische
  • Beton, Stahl und Holzmöbel mit Patina sind Kernelemente

DIY-Industrial Design:

  • einsetzbar auch in kleineren Wohnungen und Räumen
  • Kombination aus vorhandenen Möbeln und Werkstoffen zu neuen Einsatzzwecken
  • unperfekte, „undone“ Ausführungen bevorzugt

Vintage-Industrial Design:

  • glamouröser Stil mit hellen Akzenten
  • dunkle bis schwarze Möbel in schwerer Ausführung
  • Messing- und Kupferelemente ergänzen die Stahlkomponenten der Möbel

Ihnen allen gemeinsam ist die schnörkellose, minimalistische Ausführung. Kleinteilige Muster und zarte Stoffe sind eher fehl am Platze. Grobe Materialien und Oberflächen mit Patina, das heißt mit deutlichen Gebrauchsspuren und Fehlern, sind glatten, neuen Materialien vorzuziehen.

Darf's ein wenig rauer Charme sein? Dann willkommen in der Welt des Industrial Chic. (Foto: Europa Möbel-Verbund)

Wand-, Farben und Bodengestaltung

Beton, Stahl und Leder dominieren hier den Materialmix. Entsprechend ist die Farbpalette ausgestaltet:

  • Schwarz, Anthrazit und betongraue Farbtöne für Metallmöbel und Wände
  • erdige Töne in dunklem Braun, Beige und allen Schattierungen von Altholz für Sitzmöbel und Küchen
  • Ton-in-Ton gehaltene Textilien für Kissen, Vorhänge und Teppiche aus grobem Leinen, Leder oder Kurzhaarfellen

Im klassischen Industriedesign dominieren nackte Ziegelsteinwände mit sichtbaren Heizungs- und Elektroninstallationen. Im modernen Wohnraum findet sich meist weder das eine noch das andere. 

Alternativ lassen sich Wände im Betonstil auch nachträglich gestalten, geeignete DIY-Kits sind im Baufachhandel erhältlich. Massive Backsteinwände können mit Steinplatten in entsprechender Optik an die Wände gebracht werden. Für den Boden sind Laminat- und Parkettvarianten mit Oberflächen erhältlich, die auf alt getrimmt sind. Teils sind sie ähnlich alten Industrieanlagen mit aufgedruckten Typografien und Werbeschriftzügen versehen.

Möbel aussuchen

Stilecht wirken:

  • robuste, kantige Möbel
  • Echtholz-Möbel und Bar-/Stehtische
  • zerschrammte unlackierte Stahl- und Metallrahmen
  • „undone“ Look

Neue Möbel im Industriedesign sind oft aufwendig und handwerklich auf alt getrimmt, um den passenden „Used Look“ zu kreieren. Massivholz und Metall in Kombination wirken schnell wuchtig. In kleineren Räumen kann es sinnvoller sein, kleinere und weniger raumfordernde Möbel einzusetzen. Für den Industrielook genügen dann auch kleinere, filigraner geformte Stahlregale oder Beistelltische.

Sofa-Landschaften, Barhocker und Sitzsäcke dürfen hingegen wuchtiger ausfallen, wenn der Raum entsprechend groß ist. Hat der Wohnraum Loft-Ausmaße? Dann ist das extra große Sofa im Chesterfield-Stil dort gut aufgehoben. Es entwickelt im Laufe der Zeit ganz von allein die typische Patina, die den Used Look kennzeichnet.

Wer Leder als Sitzbezug ablehnt, kann mittlerweile auch auf veganes Leder zurückgreifen oder rauere Bezüge wie Jeans oder grobes Leinen einsetzen. Abgewetzte Ecken und Kanten sind in diesem Einrichtungsstil Zeichen für Qualität – glatte, gerade und perfekte Oberflächen wirken dagegen wie Stilbrüche.

Industrial Design muss dabei nicht kalt und ungemütlich sein – wie dieses Beispiel zeigt. (Foto: Europa Möbel-Verbund)

Geeignete Accessoires

Wer das Glück hat, in alten Fabrikanlagen stöbern zu dürfen oder die Muße hat, sich durch Garagenflohmärkte und Nachlässe zu wühlen, kann sich nach alten Zahnrädern, Reklameblechschildern, einzelnen Typo-Bestandteilen und gebrauchten Möbelbestandteilen umtun. Sie sind ideale Bestandteile für Wand- und Regaldekoration. Neu, aber auf alt getrimmt finden sich diese Accessoires aber auch in vielen Dekorationsgeschäften.

Gut wirken außerdem schwenkbare Leuchten mit Metall-Lampenschirmen oder LED-Balkenstrahler, die an klassische Leuchtstoffröhren erinnern. Moderne LED-Technik hält dabei die Stromkosten niedriger, die Leuchten lassen sich oft dimmen oder wahlweise in Kaltweiß und Warmweiß erwerben.

Prächtige Blumensträuße und farbenfrohe Zimmerpflanzen suchen Sie in Fabrikhallen vergeblich. Kakteen, Sukkulenten und erdige Kleingewächse dagegen sind schon passender. Gebrauchte Kaffeetassen, angestoßene Blumentöpfe oder Metalleimer beziehungsweise ausrangierte Dosen bieten sich als Gefäße an. Sie sind das Tüpfelchen auf dem Industrie-Look, der vom unperfekten, schnörkellosem Design lebt.

Fazit

Industriedesign ist ein minimalistischer und recht kühler Wohnstil, bei dem Unperfektes und Unfertiges optimal zusammenfinden. Das eine oder andere wirkt vertraut durch Elemente des Shabby Chic, insgesamt ist Industrial Design aber deutlich rauer und kantiger, als es das eher verspielte Shabby Chic je sein könnte.