Kleine Lederkunde für Polstermöbel

Kleine Lederkunde für Polstermöbel

Wenn Sie sich nach Sesseln und Sofas aus Leder umschauen, werden Sie teils deutliche Preisunterschiede feststellen. Das kann einerseits mit der grundsätzlichen Konstruktion des Möbelstücks zu tun haben. Falls Sie mehr darüber wissen möchten: In einem eigenen Artikel erklären wir Ihnen, was es mit Gestell, Unterfederung und Polsterung auf sich hat. Andererseits gibt es diverse Lederarten mit teils sehr unterschiedlichen Eigenschaften. In diesem Artikel stellen wir Ihnen die wesentlichen vor.

Falls Sie noch gar nicht sicher sind, ob ein Ledersofa die richtige Wahl für Sie ist, dann lesen Sie: Was ist besser: Ledersofa oder Stoffsofa?

Dunkles Leder ist generell pflegeleichter. (Foto: Europa Möbel-Verbund)

Die verschiedenen Lederarten

In der Möbelherstellung werden Sie praktisch ausschließlich Rindsleder vorfinden. Das Leder wird dabei im Zuge seiner Behandlung haltbar gemacht – gegerbt. Außerdem wird seine Oberfläche behandelt, um es unempfindlicher gegen Flecken zu machen. Nicht zuletzt wird es gefärbt.

Dieser Prozess ist bereits seit vielen Jahrtausenden bekannt und war ursprünglich wohl ein Abfallprodukt der Jagd. Natürlich hat sich das Verfahren im Laufe der Generationen stark weiterentwickelt. Aber im Prinzip können wir es bis zu den Anfängen der Zivilisation zurückverfolgen.

Offenporiges Glattleder, Anilinleder

So mancher Lederfreund schwört auf Anilinleder. Hier bleibt die Oberfläche offen und es fühlt sich warm und anschmiegsam an. Es ist zudem sehr atmungsaktiv und hat eine unverwechselbare Optik.

Allerdings ist es besonders empfindlich. Selbst eine Imprägnierung hilft hier nur begrenzt, da sie sich bald abreibt. Flecken ziehen deshalb schnell ein und lassen sich in der Folge nicht mehr entfernen. Auch im Kopf- und Armlehnenbereich wird sich diese Lederart verfärben. Nicht zuletzt ist sie empfindlich gegen Sonneneinstrahlung.

Mit anderen Worten: Wer sich für Anilinleder entscheidet, sollte es bestens pflegen. Und idealerweise entscheidet man sich für eine dunkel gefärbte Version. Auf diese Weise werden Flecken nicht so sehr ins Auge fallen wie bei hellem Leder. Gegenüber UV-Licht bleibt es aber trotzdem empfindlich.

Glattleder, Nappaleder, Semianilin

„Gedecktes“ Glattleder ist mit einer feinen Schicht veredelt. Dadurch wird das Material unempfindlicher gegenüber Verschmutzungen und Fetten und zugleich ganz generell haltbarer. Dadurch ist es deutlich leichter zu pflegen als offenporiges Leder. Gebrauchsspuren und Flecken lassen sich im Gegensatz zum oben beschriebenen Anilinleder behandeln. Generell sind auch in diesem Fall dunklere Leder einfacher zu handhaben als hellere. Der Gegensatz fällt aber nicht so groß aus wie bei Anilinleder.

Bei Möbeln werden Sie vor allem diese Lederart antreffen, da ihre Eigenschaften ideal zur Nutzung passen.

Rauleder, Nubukleder, Velourleder

Diese Lederarten sind offen und angeschliffen. Das gibt Ihnen zwar einen ganz besonderen Look, aber das macht sie auch ganz besonders empfindlich. Ähnlich dem Anilinleder haben Sie hier kaum eine Chance, Verschmutzungen und Verfärbungen zu behandeln.

Bycast-Leder, Sattelleder, Pull-Up-Leder

Dieses Leder sieht zwar mit seiner glänzenden Oberfläche schick aus, eignet sich aber nicht so sehr für häufig genutzte Möbel. Es ist beispielsweise wenig atmungsaktiv, was sich dann vor allem im Sommer negativ bemerkbar macht.

Je nach Lederart, Behandlung und Färbung kann ein Möbelstück einen ganz unterschiedlichen Look haben. (Foto: Europa Möbel-Verbund)

Die richtige Wahl treffen

Wir können festhalten: Alle Lederarten lassen sich pflegen und instandhalten, aber wie viel Aufwand sie fordern und wie stark sie altern, ist sehr unterschiedlich. Bedenken Sie zugleich, dass sich manche Lederarten wie beschrieben mit der Zeit verfärben können. Lederfans wissen zu schätzen, dass sich das Material im Laufe der Nutzung verändert. Natürliche Werkstoffe gehen immer durch einen Alterungsprozess. Aber es gibt zugleich Kunden, die vor allem den brandneuen Look von Leder mögen und dann später enttäuscht sind.

Welches Variante für Sie die beste ist, hängt letztlich von verschiedenen Faktoren ab:

  • Wie stark wird das Möbelstück genutzt? Sprich: Ist es eine alltägliche Sitzgelegenheit? Ist es nur für Gäste gedacht? Dient es etwa vor allem der Dekoration?
  • Haben Sie Kinder oder Haustiere?
  • Wird es im direkten Sonnenlicht stehen?

Je nachdem, wie Sie diese Fragen beantworten, kommen unterschiedliche Lederarten in Frage. Und wie oben beschrieben: Dunklere Ledermöbel sind generell einfacher zu handhaben als helle.

Sie werden außerdem verschiedene Lederstärken antreffen. Wenn Sie hier die Wahl haben, dann greifen Sie zur dickeren Variante. Behalten Sie allerdings im Hinterkopf: Es passiert nur selten, dass Leder einreißt. Ihr Möbelstück wird sehr wahrscheinlich aus anderen Gründen nicht mehr ansehnlich sein – selbst bei dickerem Leder.

„Spaltleder“ wiederum ist generell preisgünstiger, weil es aus der unteren Hautschicht gewonnen wird, die aber nicht die für Leder typische Narbung aufweist. Diese wird bisweilen über eine Beschichtung hinzugefügt.

Natürlich gäbe es noch viel mehr zu sagen, aber das würde an dieser Stelle zu weit führen. In der Wikipedia heißt es beispielsweise:

Für die technische Beschreibung und Qualitätsbeurteilung von Leder sind die Dichte (spezifisches Gewicht), die Zugfestigkeit, die Dehnbarkeit, die Bruchfestigkeit des Narbens, die Wasser- und Luftdurchlässigkeit, die Lichtbeständigkeit und die Schrumpfung entscheidend. Neben diesen physikalischen Werten werden chemische Werte wie Fettgehalt, Schrumpfungstemperatur im nassen Zustand, Gerbstoffgehalt, Waschbarkeit, Säuregehalt beurteilt.

Fazit

Wie Sie sehen, gibt es zahlreiche Faktoren, die Lederarten voneinander unterscheiden. Über die Jahre und Jahrzehnte haben sich bestimme Varianten als besonders geeignet für Polstermöbel herausgestellt. Aber auch hier kann es Qualitätsunterschiede geben, die sich dann im Preis niederschlagen.

Seien Sie sich bei alldem bewusst, dass Leder ein natürliches Material ist. Es wird mit der Zeit seinen Look verändern – und genau das macht es beispielsweise gegenüber Kunstfasern so besonders.

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