Hauswirtschaftsraum: Das Goldstück für mehr Ordnung

Hauswirtschaftsraum: Das Goldstück für mehr Ordnung

In modernen Häusern fällt der Keller bisweilen aus der Planung heraus, um Kosten zu sparen; in modernen Wohnungen mangelt es ebenfalls oft an zusätzlichen Stauraum. Gleichzeitig sollen Bad und Küche möglichst aufgeräumt und harmonisch gestaltet sein. Da stören die Wäscheberge einer ganz normalen Familie im Bad genauso, wie es die Keksdosen und Getränkekästen in der Küche tun. Wohin bloß mit diesen Alltagsgegenständen, ohne sie gänzlich zu entsorgen? 

Genau dafür gibt es einen Ort, an dem all diese üblichen Gebrauchsgegenstände unterkommen, die in aufgeräumten Wohnbereichen sonst keinen Platz mehr finden: Man nennt ihn Schattenküche, Waschküche oder moderner: Hauswirtschaftsraum (HWR). Vom Bügelbrett bis zum Korb mit den Ersatz-LEDs findet hier alles seinen Platz – sofern der Raum gut geplant und strukturiert ist. 

Die perfekte Vorbereitung für einen HWR

Die Anforderungen an einen gut ausgestatteten Hauswirtschaftsraum sind in aller Regel:

  • zwischen 6 und 15 Quadratmetern Platzangebot
  • Tageslicht und Fenster zum Lüften beziehungsweise Lüftungsanlage
  • ausreichend Steckdosen für Großgeräte wie Waschmaschine, Trockner und Kühltruhe oder Tiefkühlschrank
  • Wasser- und Abwasseranschluss

Ein direkter Zugang zur Küche, etwa durch eine versteckte Tür, ist bei alldem hilfreich, aber kein Muss. Richtig praktisch wird es, wenn im HWR eine Außentür zur Garage eingeplant ist, durch die Sie Einkäufe und Vorräte direkt in den Raum tragen können. So muss niemand durch das saubere Haus laufen, um Getränkekisten abzustellen.

Haustierbesitzer und Menschen mit starker körperlicher Tätigkeit freuen sich zusätzlich über eine Dusche in diesem Raum: Statt im Badezimmer können Sie den Hund nach einem Schlammbad dann schnell hier abduschen. Wer aus der Werkstatt oder von der Baustelle heimkommt, kann im HWR die verschmutzte Kleidung ablegen, ohne das Haus zu durchqueren. So bleibt der Wohnbereich sauber und die Wäsche ist zugleich direkt dort, wo sie wieder gereinigt werden kann.

Als Nebenraum wird der HWR oft vernachlässigt, wenn es um die Lichtplanung geht. Dabei ist besonders hier ein gutes Arbeitslicht wichtig! Punktuelle Funktionsleuchten am Spül-/Waschbereich und zur Beleuchtung von tiefen Vorratsschränken sind unverzichtbar. Helle, pflegeleichte Wände erleichtern die Orientierung auch im gedämpften Tageslicht. Reinweiße Wände wirken zwar hygienisch rein und steril, verschaffen dem Arbeitsraum aber kaum wohnliche Akzente. Wer sich viel und regelmäßig im HWR aufhält, darf sich auch fröhliche helle Farben an den Wänden und pflegeleichte, belastbare Läufer auf dem Boden gönnen. 

Fliesen werden in aller Regel empfohlen, um dem typischen Staub und Schmutz im Hauswirtschaftsraum leichter zu entkommen. Als „Schattenküche“ werden hier meist die gleichen Fliesen wie in der eigentlichen Küche verlegt. Ist der HWR etwas weiter entfernt oder das Budget niedriger, eignen sich auch günstigere, rutschfeste Fliesen oder Vinyl. Echtholzparkett oder Laminat sollten eher nicht verlegt werden, da sie zwar schön aussehen, aber nicht so widerstandsfähig sind.

Ein kleiner Luxus am Rande: Wenn Sie regelmäßig viel Zeit beim Wäsche falten oder bügeln im HWR verbringen, denken Sie über einen kleinen Fernseher oder ein Tablet mit Wandhalterung nach! Von Musik bis zu den laufenden Nachrichten oder einer weiteren Folge Ihrer Lieblingssendung – solange Ihnen dabei die Hausarbeit schneller und leichter von der Hand geht, sollte es mit eingeplant werden!

Was der Hauswirtschaftsraum leisten kann

1. Waschen & trocknen

Waschmaschine und Trockner finden hier ihren Platz. Ebenso Bügelbrett und Wäscheständer, eine Bügelmaschine für Hemden und Blusen (falls vorhanden), Waschmittel und Fleckenreiniger. Im modernen Badezimmer ist hierfür kaum noch Platz einkalkuliert – wo also sollte das notwendige Zubehör sonst hin?

Besonders praktisch sind Wäscheabwurf-Schränke oder Sammel-Systeme, die die Wäsche in verschiedene Gruppen sortieren helfen. Wahlweise nach Farben oder Gradzahlen, horizontal unterhalb einer Arbeitsplatte oder vertikal im Hochschrank mit Einwurf-Löchern.

Ergonomisch wird es, wenn Waschmaschine und Trockner leicht erhöht im Schranksystem verbaut sind. Damit schwere Wäschekörbe nicht trotzdem den Rücken belasten, sind bequeme Tablare vorgesehen: Das sind Auszugs-Bretter, die sich unterhalb der Waschmaschine ausfahren lassen und auf denen Sie den schweren Korb übergangsweise abstellen können. Bügelbrett, Bügeleisen und Waschmittel samt aller Fleckenbehandlungsmittel haben ihren Platz im Schrank.

Wenn es der Platz hergibt, sollten Sie unbedingt ein Waschbecken einplanen: Dann lassen sich sowohl Flecken schneller vorbehandeln, als auch nach erfolgreicher Putzarbeit Lappen ausspülen und abschließend die Hände waschen.

Bei knappem Platzangebot kann der Wäscheständer übrigens auch gut unter die Decke als hängende Lösung integriert werden. Teils sind kleinere, ausfahrbare Lösungen bereits in den HWR-Möbeln integriert. Sie eigenen sich vor allem für bügelfeuchte Kleidung wie Blusen und Hemden, die Sie für kurze Zeit aufhängen möchten, sowie Socken oder Unterwäsche, die kaum Raum beim Trocknen benötigen.

Tipp: Unbedingt eine Arbeitsfläche einplanen! Das kann zum einen Platz zum Falten der Wäsche sein, die wie eine Arbeitsplatte in der Küche gestaltet ist. Bei kleinen Räumen erfüllen auch Auszugsschränke mit integrierter Tischfläche diesen Zweck.

Zusammenfassung:

  • Waschmaschine und Trockner in ergonomischer Höhe
  • Ablageflächen für schwere Wäschekörbe einplanen
  • Abwurf-/Sortiersystem für Schmutzwäsche integrieren
  • Spülbecken für Fleckenvorbehandlung
  • leere Arbeitsfläche zum Wäsche falten, Wäsche aufhängen und Bügeln einkalkulieren
  • Lüftung integrieren, um Feuchtigkeit aus dem Raum zu bringen
  • funktionelle Arbeitsbeleuchtung für Fleckenentfernung/Näharbeiten anbringen

2. Reinigungsutensilien aufbewahren

Besen, Wischmopp, Staubsauger und all die Putzmittel, die im Laufe der Zeit benötigt werden, sind im Hauswirtschaftsraum gut und sicher verstaut. Hochschränke mit passendem Ordnungssystem nehmen Handfeger, Besen und Staubsauger auf, ohne dass bei der Entnahme alles durcheinanderpurzelt. Reinigungsmittel werden kindersicher im Hochschrank untergebracht, statt unter der Spüle in der Küche gelagert zu werden.

Auch Lappen, Tücher oder der Vorratspack an Haushaltsmitteln lässt sich hier in geeigneten Stauraummöbeln unterbringen. Raumhohe Schränke eignen sich meist am besten, um alles gut unterzubringen.

Zusammenfassung:

  • Spülbecken und Abfluss für Putzwasser und Reinigungsmittel
  • griffbereite Aufbewahrung für Lappen und Reinigungstücher
  • Putzmittel und Spezialreiniger außer Griffweite von Kindern und Haustieren aufbewahren
  • Reinigungshilfen wie Handfeger und Besen in praktischen Ordnungssystem im Schrank verstauen

3. Vorrat halten

Statt der Getränkekisten im Keller oder auf dem Balkon, dem Großpack Nudeln in der Küche und der Nudelmaschine im Flurschrank wird im HWR alles zentral gelagert. Das erleichtert die Vorratshaltung enorm, wenn vor dem Großeinkauf ein Blick in die Schränke des Hauswirtschaftsraums genügt!

Trockene Lebensmittel wie Nudeln, Reis oder Mehl sollten Sie in geschlossenen Schränken aufbewahren. Konserven oder Getränkekisten lassen sich hingegen auch in offenen Regalen einlagern.

Tipp: „First in, first out“ eignet sich für größere Lagerzeiträume am besten. Dabei platzieren Sie die neu gekauften Lebensmittel immer ganz hinten im Regal, die ältesten Vorräte landen damit automatisch ganz vorn und werden (hoffentlich) zuerst verbraucht. So vermeiden Sie unnötige Lebensmittelverschwendung und bemerken zugleich schneller, wenn bestimmte Vorräte auszugehen drohen.

Für Gemüse oder Obst eignet sich der Hauswirtschaftsraum dann, wenn er eine möglichst gleichmäßige, kühlere Raumtemperatur aufweist. Wird nach dem wöchentlichen Waschtag gut gelüftet, können sich auch Kartoffeln oder Kohlsorten dort länger halten, als in der meist wärmeren Küche.

Weinkühlschränke werden oft direkt in der Küche integriert. Für weniger edle Getränke auf Vorrat können Sie im HWR Kreuzeinteilungen in den Hochschränken einplanen. Dann wird auch jener Wein korrekt liegend gelagert, der noch nicht im Vorzeigebereich der Küche zu sehen sein soll oder nicht in nächster Zukunft getrunken wird.

Zusammenfassung:

  • Feuchtigkeitsempfindliche Lebensmittel in geschlossenen Schranksystemen aufbewahren
  • Konserven und feuchtigkeitsunempfindliche Lebensmittel in offenen Regalen für mehr Überblick
  • Ordnungssystem für verderbliche/ablaufende Lebensmittel einführen
  • Getränkekisten in geneigten Schränken für leichteren Zugriff aufstellen
  • Kreuzeinteilungen für liegend zu lagernde Getränke einplanen
  • Beleuchtung für tiefe Wandschränke und Regale integrieren

4. Platz für Recycling

Altglas, Altpapier und die Verwertung über den „gelben Sack“ fordern im Alltag einer Familie reichlich Platz ein. In modernen Wohnungen stapelt sich dann schnell der Müll – im wörtlichen Sinne und gut sichtbar in der modernen Küche oder im ansonsten stylischen Hausflur. 

Im Hauswirtschaftsraum können Sie dagegen geschickte Abwurf-Systeme mit herausnehmbaren Körben oder Tragetaschen einsetzen. Der Recyclingmüll ist dann gut vor Besucherblicken verborgen und gleichzeitig sauber getrennt für die ordentliche Entsorgung. Die praktischen Kisten und Tragetaschen sind in aller Regel wiederverwendbar, sehr stabil und waschbar.

Tipp: Mehr Platz für Recycling bedeutet oft auch längere Intervalle für die Entsorgung. Um dem damit entstehenden Geruch etwa von alten Plastikverpackungen oder aus nur oberflächlich gereinigten Altgläsern zu entgehen, gibt es zwei Lösungsstrategien:

  • Nummer eins: Den Platz für Recycling klein halten, etwa durch halbe Körbe oder Kisten.
  • Nummer zwei: Feste Entsorgungstouren einplanen, die im Wochenplan festgehalten sind – auch dann, wenn nur eine Handvoll Altgläser zusammengekommen sind.

Insgesamt ist es sinnvoll, den Platz für Recycling, Aufbewahrung und „könnten wir noch gebrauchen“ zu begrenzen. Fest zugewiesene Plätze, Beschriftungen an den Regalen, Körben oder Schränken unterstützen dabei, den Hauswirtschaftsraum jederzeit ordentlich zu halten.

Zusammenfassung:

  • geschlossene Systeme für geruchsintensive Recyclingbestandteile nutzen
  • Abwurfsystem für unterschiedliche Müllarten einplanen
  • entnehmbare Kisten/Taschen integrieren
  • feste Entsorgungsroutinen einführen

Schlusswort

Der Hauswirtschaftsraum ist völlig zu Unrecht ein unterschätztes Raumwunder, dessen Planung oft vernachlässigt wird. Investieren Sie ruhig mehr als nur ein paar Minuten in die Überlegung, welche Geräte und Arbeiten Sie im HWR langfristig untergebracht sehen wollen. Sie werden sehen: Das erleichtert die Ordnung im gesamten Wohnraum!